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Kohle für Kohle – Projekt des Theaters Münster auf dem Westfalenfleiß-Parkplatz am Dom

Es ist Markttag in Münster – ein kleines schwarzes Kuppelzelt steht auf dem Westfalenfleiß-Parkplatz am Dom. Davor aufgebaut ist eine Kiste, bis oben angefüllt mit kleinen Kohlebriketts, daneben eine Weltkarte mit gelb-rot lodernden Markierungen. Neugierig bleiben Passanten stehen, beobachten das Geschehen und fragen sich, was das wohl alles zu bedeuten hat.

Initiator des Projektes mit dem Titel `Black Market – Kohle für Kohle´ und Moderator am Stand ist der freiberufliche Regisseur Till Wyler von Ballmoos. Schnell kommt er mit Interessenten ins Gespräch. „Tauschen Sie hier Geld oder andere Werte gegen Kohle aus nachhaltigem Holzanbau. Mit der `Fairen Kohle´ können Sie heute an rund zehn Markständen, Kuchen, Käse, Kaffee oder andere Produkte erwerben“ erklärt Till Wyler von Ballmoos. Wertvoller und fairer Partner dieser Aktion ist die Faire Kohle GmbH, die von der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Jugend (AEJ) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Nordrhein-Westfalen geführt wird. 

Manche exklusiven Erzeugnisse auf dem Markt erhält man an drei Tagen (30.10., 13.11. und 27.11.2019) ausschließlich für `Faire Kohle´. Sie wird zu einer Komplementärwährung, zur `Kohle´ im umgangssprachlichen Sinn. „Ich nehme die `Faire Kohle´ zum aktuellen Wechselkurs selbstverständlich auch zurück. Falls jemand mit diesem Umtausch nicht einverstanden ist, hätte ich noch ein paar besondere Angebote, die ich sozusagen unter der Hand vermitteln kann“, führt Till Wyler von Ballmoos aus. Derzeit im Angebot sei eine Gesamtausgabe von Kleist’s Schriften zum Schnäppchenpreis. Das Brennmaterial könne aber auch ganz einfach im Kamin verfeuert werden, je nach Belieben des Käufers. 

Der Preis der Kohle richtet sich dabei nach einem schnell schwankenden Wechselkurs. Dieser ist gekoppelt an regelmäßig aktualisierte statistische Erhebungen von Feuerbränden auf der ganzen Welt. Diese sind auf der neben dem Stand aufgestellten Weltkarte markiert. Je mehr es brennt, umso wertvoller wird die `Faire Kohle´. Werden weniger Brände registriert, fällt der Kurs. „So kann man möglicherweise ein gutes Schnäppchen beim Tauschgeschäft machen oder muss horrend hohe Preise zahlen“, meint der Performance-Künstler. 

Das Projekt ist ein Auftrag des Stadttheaters Münster und nimmt Bezug zum Stück `BRD-Trilogie´ von Rainer Werner Fassbinder, das zurzeit am Stadttheater inszeniert wird. Dort geht es unter anderem um das deutsche Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit und um die Frage, welchen Preis die Menschen für den raschen Aufstieg als Wirtschaftsmacht bezahlen mussten. Man kann die fiktive Währung zum Beispiel auch gegen eine Eintrittskarte für die `BRD-Trilogie´ eintauschen. Somit hat die Kohle auch einen kulturellen Wert. Und so schließt sich der Kreis zum Theater Münster. 

„Das Projekt ist eine Versuchsanordnung im öffentlichen Raum, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie sollen aktiv zum Nachdenken gebracht werden: Wie gehen wir mit natürlichen Ressourcen um? Wie schnell verändern sich Werte und wie gerecht oder ungerecht sind Güter - je nach Perspektive der Gesprächspartner*innen -  verteilt – Fragen, die Till Wyler von Ballmoos mit dem `Black Market´ aufwirft. Erste Diskussionen mit  Marktbesucher*innen hat er am ersten Tag Ende Oktober geführt. 

„Dies ist kein ‚lautes‘ Projekt, eher ein heimliches Experiment mit uns selbst, welches im besten Fall unheimlich wird, wie heute, als verschiedene Käuferinnen und Käufer im Glauben an Profit mit einem Säckchen - randvoll mit Holzkohle gefüllt -  nach Hause gingen. Mich interessieren Momente die nachwirken können, wie zum Beispiel das Schwärzen der Hände, sobald mit der Kohle gehandelt wird. Das Experiment ist aber auch ein realer Versuch über die Möglichkeiten und Herausforderungen einer lokalen Währung“, berichtet er von seinem ersten Projekttag. „Allein wegen der vielstimmigen Debatten mit den Leuten und der unterschiedlichen Reaktionen von Zustimmung, über Nachdenklichkeit, bis hin zu Beschimpfungen, ist die Präsentation hier auf dem Wochenmarkt auch für mich selbst ein Lehrstück“, freut sich der Regisseur. Und er sei schon gespannt, wer was beim nächsten Mal verhandeln möchte.

Wer das Projekt live erleben möchte, hat noch zwei Mal die Gelegenheit: Auf dem Mittwochsmarkt am 13.11. und am 27.11.2019 jeweils von 7.00 – 14.00 Uhr – an dem kleinen schwarzen Kuppelzelt auf dem Westfalenfleiß-Parkplatz am Dom.

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