Wenn einer unterwegs ist…

Wenn einer unterwegs ist, dann kann er was erleben. Das zeigte eindrucksvoll an zwei ausverkauften Abenden das Theater Maniacs mit seinem Stück „Unterwegs“. Ob in Sachen Liebe, Abenteuer oder Überfall – die Zuschauer im Kleinen Bühnenboden wurden mitgenommen auf eine ereignisreiche Bus-Reise der neun Schauspieler mit und ohne Behinderung .

Die scheinbar ermüdende tägliche Fahrt mit gähnenden Gästen auf holprigen Straßen wird immer wieder unterbrochen, gerade dann, wenn die Langeweile überhandnimmt. Ist es Realität, Tagtraum oder Wunschtraum?  Das bleibt der Phantasie des Publikums überlassen. In witzigen und skurrilen Sketchen werden kleine imaginäre Geschichten erzählt.

Da ist zunächst der plötzlich aus dem Nichts auftauchende Fahrkartenkontrolleur, der eine Dame mittleren Alters so unter Druck setzt, dass sie vor Aufregung in ihrer übergroßen Handtasche ihr Ticket nicht finden kann. Oder hat sie etwa gar keins? Da kommt Leben in die müde Truppe. „Alle müssen bezahlen, wo kommen wir sonst hin“, ruft der eine. „Schwamm drüber, dann übernehme ich die Kosten“, erklärt die andere. Und damit scheint zunächst das Chaos abgewendet.

Gerade kommt wieder Langeweile auf, schon taucht der Zuschauer in die nächste Szene ein. Im Speisewagen bei Spiegelei auf Labskaus begegnet Heinz Uwe Hollmann der kecken Marianne Struwe und flugs ist sein Herz entbrannt vor Liebe auf den ersten Blick. Zusammen wird getrunken – beim siebten Slibowitz fallen alle Hemmungen und im leeren Dienstabteil verbringen beide eine vergnügliche Nacht. Am nächsten Morgen. Herr Hollmann denkt, er ist der Frauenheld schlechthin, er fühlt sich stark wie Dschingis Khan. Frau Struwe jedoch - wieder nüchtern – fragt entsetzt: „Wer ist denn dieser Affe?“ Und - ganz nach des Dichters Karl Valentin Manier: „Angekommen in Bremen im Regen erfolgt die Trennung im stillen Einvernehmen“.

Auch der Busfahrer träumt von der großen Liebe. Täglich sieht er sie im Supermarkt. Die Wurstverkäuferin mit blonden Locken und Erdbeermund. Denkt: „Ich trau mich nicht. Ich trau mich doch. Ich bin verliebt und muss es ihr gestehen.“ Schließlich fasst er sich ein Herz, geht in den Laden und sieht sie dort hinter der Theke stehen. Sie mit ausdrucksloser Mine fragt nur schroff: „Was darf´s denn sein?“ Ob dieser kurzen Frage verlässt ihn gleich der Mut. Die Antwort kleinlaut: „Zwiebelmett“.  Jedoch seine Hoffnung stirbt zuletzt: „Nächste Woche werde ich sagen: Du Geliebte, Du allein!“

Zurück im Bus, der nächste denkt: „Ach ist das langweilig, jeden Tag die gleiche Strecke, nichts passiert. Ich wünschte, ich wäre einmal im Wilden Westen.“ Kaum ausgedacht, sitzen die Mitreisenden mit großen Sombreros lässig am Kartentisch. Im Hintergrund läuft die Titelmusik des bekannten Westerns „Spiel mir das Lied vom Tod.“ Da betritt auch schon mit vorgehaltener Waffe der Cowboy Johnny den Saloon. Sucht seinen Erzfeind Jim, früher mal sein bester Kumpel, bis dieser ihm sein Gold und sein Vieh gestohlen und überdies auch noch seine Frau genommen hat. Ruft drohend: „Schenk dir einen Whisky ein, es wird dein letzter sein“. Die beiden verschwinden vor die Tür. Alle warten auf den finalen Schuss, die Geier freuen sich schon auf den Leichenschmaus. Aber dann: von draußen hört man Gläser klirren,  ein Lachen tönt. Johnny und Jim torkeln Arm in Arm in den Kneipenraum. Die alte Freundschaft hat dann doch gesiegt. Ende gut, alles gut.

Die Umsetzung dieser und noch einiger weiterer gekonnt inszenierten humorvollen Geschichten war mehr als gelungen. Am Ende wurden die Schauspieler sowie Regisseur Bart Hogenboom und Organisatorin Hildegard Wilken vom begeisterten Publikum mit stehendem Beifall belohnt und bekamen Blumen überreicht.

Bart Hogenboom und Hildegard Wilken war die Freude über die Leistung „ihrer“ Gruppe deutlich anzumerken: „Dies ist die zweite Produktion des Theaters Maniacs. Ein Jahr lang haben wir dafür geprobt und es hat super geklappt. Im Vergleich zur Aufführung des letzten Stückes ist unser Ensemble routinierter geworden. Alle haben die Texte fehlerfrei und professionell vorgetragen und jeder hat seine eigene Kreativität entwickelt. Darauf sind wir richtig stolz.“ Nicht zuletzt sprachen sie auch ihren Unterstützern einen herzlichen Dank aus: der Westfalenfleiß GmbH, dem Haus vom Guten Hirten und anderen freien Spendern.

Mit Spannung dürfen wir die dritte Produktion erwarten!

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