Vielfalt ist unsere Stärke – Ausstellungseröffnung in der Stadtbücherei Münster

„Unter dem Motto ´100 % Menschenwürde – zusammen gegenRassismus` finden bereits zum vierten Mal die ´Münsteraner Wochen gegen Rassismus`statt. In Münster leben Menschen aus 182 Nationen in 36 verschiedenen Religionsgemeinschaften weitgehend friedlich zusammen und darauf sind wir sehr stolz.“ Mit diesen Worten eröffnete Karin Reismann, Bürgermeisterin der Stadt Münster, die Ausstellung ´Vielfalt ist unsere Stärke` der Westfalenfleiß GmbH in der Stadtbücherei Münster. Münster wolle mit dieser Themenwoche ein Zeichen setzen für Vielfalt und Toleranz, für Demokratie und Weltoffenheit. 

Diese Botschaft griff Doris Langenkamp, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Westfalenfleiß GmbH, gerne auf: „Und genau deshalb passt unsere Ausstellung so gut in den Rahmen der ´Wochen gegen Rassismus`. Westfalenfleiß ist ebenfalls bunt und vielfältig. Es war bei uns schon immer selbstverständlich, dass Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und aus verschiedenen Herkunftsländern zusammen arbeiten und leben. Darüber haben wir uns eigentlich nie Gedanken gemacht, es war für uns ganz normal.“ Offensichtlich sei das erst geworden, als zwei Mitarbeiter, Paul Kreimer und Tobias Koop, vor zwei Jahren die Idee hatten, die Herkunft der Kolleginnen und Kollegen zu recherchieren. 

Zusammen mit einigen Beschäftigten der Werkstatt gründeten sie die Projektgruppe ´Die Welt bei Westfalenfleiß zu Hause` und die Dinge nahmen ihren Lauf. Wie es dann weiterging berichteten bei der Ausstellungseröffnung Monika Seidler und Sebastian Gamers, zwei von den insgesamt 17 Projektteilnehmern. 

Die Nachforschungen ergaben, dass Menschen mit und ohne Behinderung aus 30 verschiedenen Nationen bei Westfalenfleiß arbeiten. Sie kommen aus Afghanistan, aus China, aus Sri Lanka, aus Syrien, aus dem Kongo, aus Russland und vielen anderen Ländern dieser Welt. Nachdem die Zahlen ermittelt waren, entwickelte sich bei der Projektgruppe der Gedanke, diese öffentlich zu präsentieren. Außerdem wollten die Teilnehmer auch wissen, wie und warum die Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen waren, wie sie hier willkommen geheißen wurden und wie es dann weiterging. 

Zur Präsentation der Ergebnisse wurde dann eine Weltkarte auf einen selbstgebauten Rahmen aufgezogen und alle 30 Herkunftsländer mit ihren jeweiligen Landesflaggen markiert. Einige Kolleginnen und Kollegen wurden interviewt, ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben und anhand von Texttafeln dargeboten. Bewegende Geschichten von Krieg und Vertreibung, von Flucht und Familiennachzug, aber auch von herzlicher Aufnahme und gelungener Integration sind so zusammengetragen worden. 

Dank der Unterstützung durch Andrea Kreuzheck, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadtbücherei Münster sind diese Exponate nun im Rahmen der ´Wochen gegen Rassismus` für alle Interessierten zugänglich. 

„Ich lese jetzt meine Geschichte vor“, teilte der vor 20 Jahren aus dem Kongo nach Deutschland gekommene, Henry Makamizile, den Gästen der Ausstellungseröffnung mit. Plötzlich wurde es ganz still im Raum und allen Anwesenden war die Betroffenheit angesichts des Berichtes über die Flucht des damals 5-jährigen Jungen und seiner Familie vor dem Krieg in Afrika deutlich anzumerken. „Ich hatte eine schöne Kindheit mit meinem Bruder in meiner alten Heimat. Ich kann mich gut daran erinnern und das vermisse ich manchmal“, erzählte er sichtlich bewegt. 

Nach seiner Schulzeit in der Johannes-Schule Hiltrup sei er zu Westfalenfleiß gekommen. Bei einem Praktikum habe ihm die Arbeit in der Hauswirtschaft so viel Spaß gemacht, dass er auch heute noch dort arbeite.

„Ich habe nun viele Freunde und es gibt hier coole Mitarbeiter, das gefällt mir sehr. Meinen Kollegen ist es egal, woher ich komme. Es geht mir gut und ich möchte hier nicht mehr weg“, beendete Henry Makamizile seine Ausführungen und bestätigte damit noch einmal das Statement von Doris Langenkamp: „Wir sind gegen Ausgrenzungen jeglicher Art. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Das gemeinsame Arbeiten und Leben ist von gegenseitiger Akzeptanz, Respekt und Toleranz geprägt.“ 

Mit der Ausstellung wird gezeigt, dass die Integration von Menschen aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern gelingen kann. Sie möchte die Betrachter stärken, sich ebenfalls für ein Zusammenleben in Vielfalt – ohne Ausgrenzung und ohne Rassismus - einzusetzen. Die Exponate sind noch zu sehen bis zum 24. April 2018, montags bis freitags von 10 – 19 Uhr und samstags von 10 – 18 Uhr, in der Stadtbücherei Münster, Alter Steinweg 11.

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