Mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand

Sieben Mitarbeiter aus der Werkstatt und dem Wohnverbund verabschiedete Geschäftsführerin Gerda Fockenbrock in fröhlicher Runde im Café Gut Kinderhaus. Bei einem stilvoll angerichteten Buffet mit köstlichen Fleisch- und Fischgerichten sowie leckeren Beilagen und verschiedenen Nachspeisen ließen die frischgebackenen Rentner ihre Zeit bei Westfalenfleiß Revue passieren. Keiner von ihnen war kürzer als 25 Jahre im Unternehmen tätig gewesen und so gab es einiges zu erzählen.

Marja Kretschmann-Weelink erinnert sich: „Als mein Mann und ich 1990 im Haus Gremmendorf die Hausleitung übernahmen, haben wir die ersten Jahre noch in einer Einliegerwohnung in der Wohnstätte gewohnt. In der Zeit haben wir die dort lebenden Bewohner viel intensiver und unter einem ganz anderen Blickwinkel als heute kennen gelernt. Das hat uns – und vor allem auch unsere Tochter – sozial sehr geprägt.“ Wenn sie zurückblicke, müsse sie feststellen, dass sich in den letzten 25 Jahren viel verändert habe in der Unterstützung von Menschen mit Behinderung. „Heute traut man den Menschen mit Behinderung viel mehr zu. Themen wie Selbstbestimmung, Verselbstständigung und Teilhabe seien immer mehr in den Vordergrund gerückt und das sei eine gute Entwicklung.

Für den Werkstattbereich bestätigt das auch Hans-Otto-Virgien: „Früher war es so, dass dieselben Beschäftigten auch immer dieselben Tätigkeiten verrichtet haben, wenn sie sie einmal gut beherrschten. Heute liegt der Fokus auf dem Fördern und Fordern. Es wird immer danach geschaut, welche Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten der einzelne Mensch mit Behinderung noch hat und wie wir Gruppenleiter ihn dahingehend unterstützen können. Das hat sich in den letzten Jahren sehr zum Positiven verändert.“

Es sei – wenn auch mit Höhen und Tiefen - eine schöne Zeit gewesen bei Westfalenfleiß, sind sich alle einig und sie würden auch sicher so manches Mal mit Wehmut zurückblicken. Aber das Rentnerdasein habe auch viele Vorzüge. „Wenn ich etwas für samstags oder sonntags planen möchte, muss ich nicht mehr in den Kalender schauen, ob ich an dem Wochenende Dienst habe“, schmunzelt Marja Kretschmann-Weelink. Dieser Freiraum, die Zeit nach eigenen Wünschen zu gestalten, sei ein schönes Gefühl.

 Auch Almut Jürgens nutzt nun ihre neue Freiheit, insbesondere für sportliche Aktivitäten und Reisen. „Ich bin jetzt schon mehrmals den Jakobsweg gewandert“, schwärmt sie. So ganz Abschied genommen hat sie aber nicht. Sie führt einmal im Jahr eine Fahrrad-Freizeit mit Werkstattbeschäftigten und Nutzern des Wohnverbundes durch. „Ich könnte mir auch vorstellen, einmal eine Selbstversorger-Freizeit zu organisieren“, stellt sie in Aussicht. Zwei weitere ehemalige Kollegeninnen beabsichtigen ebenso „nach einer Pause“ ehrenamtlich für Westfalenfleiß aktiv zu werden. Ludger Heitmann hat da andere Pläne: „Ich bin schon als Jugendlicher in unserer Kirchengemeinde engagiert gewesen und habe über 25 Jahre mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Ich denke, ich habe meine soziale Leistung im Leben erbracht. Jetzt freue ich mich, mehr Zeit mit meinen Enkelkindern zu verbringen.“

So verging die Zeit im gemütlichen Café Gut Kinderhaus wie im Flug. Am Ende überreichte Gerda Fockenbrock Blumen und Geschenke und bedankte sich zusammen mit Petra Dressler vom Betriebsrat bei den Ruheständlern: „Auch im Namen meines Geschäftsführungskollegen, Hubert Puder, möchte ich Ihnen meinen herzlichen  Dank aussprechen für Ihr großes Engagement in all den Jahren und dafür, dass Sie die Entwicklung unseres Unternehmens mitgeprägt haben. Ich wünsche Ihnen für Ihren dritten Lebensabschnitt, dass Sie ihn so verbringen können, wie Sie es sich wünschen.“

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