Martin Luther heute – 20. inklusiver Gottesdienst in der Erlöserkirche

„Heute feiern wir ein Jubiläum“, erklärte Westfalenfleiß-Geschäftsführerin Gerda Fockenbrock den Besuchern zu Beginn des inklusiven Gottesdienstes in der Erlöserkirche.  Zum 20. Mal gestalte der Gesprächskreis für Menschen mit Behinderung der Evangelischen Familienbildungsstätte Münster unter der Leitung von Pfarrer Reinhard Witt und Jeanette Thier gemeinsam mit dem Gospelchor der Westfalenfleiß GmbH unter der Leitung von Leo Michalke den inklusiven Gottesdienst.

Und sie erinnerte an die Anfänge dieser Veranstaltung: „Dieter Kunath, damaliger Vorsitzender des Fördervereins für Kultur und Freizeit und Begründer des Gospelchors, den alle hier kennen und der leider vor ein paar Jahren verstorben ist, besuchte regelmäßig die Gottesdienste von Pfarrer Witt und traf ihn auch gelegentlich beim Spaziergang im Viertel. Pfarrer Witt hatte schon 1998 den Gesprächskreis für Menschen mit Behinderung gegründet,  der sich über – im wahrsten Sinne des Wortes – Gott und die Welt austauscht. Gemeinsam entwickelten Herr Kunath und Pfarrer Witt die Idee des integrativen - heute sagen wir inklusiven - Gottesdienstes und so fand 2003 in der Erlöserkirche der erste gemeinsame Gottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken im Paul-Gerhard-Haus statt.  Zunächst wurde er dann zwei Mal jährlich durchgeführt. Mit steigendem Bekanntheitsgrad und zunehmender Besucherzahl wurde der organisatorische Aufwand größer, sodass die Veranstaltung sich dann auf einmal jährlich einpendelte. So feiern wir nun heute den 20. Gottesdienst und ich möchte mich, auch im Namen meines Geschäftsführungskollegen, Hubert Puder, der heute leider verhindert ist, bei allen bedanken, die regelmäßig zum Gelingen dieser Veranstaltung beitragen.“ Gleichzeitig überbrachte sie auch Grüße von Prof. Dr. Klaus-Michael Müller, jetziger Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Freizeit, der zurzeit nicht in Münster sei und deshalb nicht teilnehmen könne.

Pfarrer Reinhard Witt griff diese Worte auf: „An die Zeit mit Dieter Kunath denke ich sehr gerne zurück. Ich vermisse ihn noch immer. Aber er hat uns mit diesem Gottesdienst etwas ganz Wunderbares hinterlassen. Und wir werden in seinem Sinne  weitermachen, solange es geht.“

Für den Jubiläumsgottesdienst hatten sich die Organisatoren das zum 500. Reformationsjubiläum passende Motto „Martin Luther heute“ ausgesucht. Pfarrer Witt erzählte den Kirchenbesuchern die Geschichte von Martin Luther. Er sei damals Professor an der Wittenberger Universität gewesen. Er habe viel gebetet, gelesen und geschrieben, weil er ein guter Mensch sein wollte. Bis er schließlich zu der Erkenntnis kam, dass Gott gar nicht von den Menschen verlangt, dass sie gut sein müssen. Gott liebe die Menschen, so wie sie sind und er vergebe ihnen ihre Sünden, einfach weil er gnädig sei. Damals habe es viele Menschen gegeben, die sich bei der Kirche mit Geld von ihren Sünden loskaufen wollten. Martin Luther habe erkannt, dass das gar nicht nötig sei und habe dazu Thesen aufgestellt. Die habe er aufgeschrieben und am 31.10.1517 an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geheftet, um die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen herbeizuführen.

Zur Veranschaulichung für die Besucher des Gottesdienstes hatten Pfarrer Witt und der Gesprächskreis der Menschen mit Behinderung vorne in der Kirche eine alte Tür aufgestellt. Sie haben mehrere Thesen Martin Luthers in der Sprache der heutigen Zeit auf Zettel geschrieben und noch einige eigene Sätze dazu formuliert, zum Beispiel: „Dass Nichtbehinderte Vorrang haben, gehört abgeschafft“ oder „Wenn für Gott alle Menschen gleich sind, muss man das auch in einer Gesellschaft sehen“.

Pfarrer Witt forderte dann auch die Gäste auf, eigene Thesen aufzustellen und ebenfalls an die Tür zu heften. Davon machten die so Angesprochenen gerne Gebrauch. „Gott macht das Dunkle hell“, Gott ist unser Helfer in der Not“, oder „Reiche müssen auch für die Armen da sein“, stand dann dort zu lesen. Schließlich passte kein Zettel mehr an die Tür. Im Geiste Martin Luthers wurden noch Fürbitten vorgetragen. Das Ganze wurde mit passenden Liedern vom Gospelchor untermalt.

Bei den Gospelsongs „He´s got the whole world” und „Heaven is a wonderful place” hielt es keinen mehr auf seinem Stuhl. Alle Gäste sangen und klatschten begeistert mit. Schließlich wurden alle Gottesdienstbesucher  noch in das gegenüber der Kirche liegende Paul-Gerhard-Haus zum gemütlichen Plausch bei Kaffee und Kuchen – gespendet vom Förderverein Kultur und Freizeit – eingeladen. So fand der Nachmittag einen wundervollen Ausklang.

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